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Die Magie der Quirkologie

  • Sirko Salka
  • 25. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Schrulligkeit hat einen Namen: Quirkologie. In dieses skurrile Theoriegebäude fallen alltägliche Marotten, die wir genüsslich tun oder auch mal lassen sollten. Eine Kolumne von Sirko Salka


„Tue jeden Tag eine gute Tat!“ Diesen alten Pfadfinder-Spruch kannte ich als Ost-Zonenkind von meinem allerersten Romanhelden: dem Teenager Timur, der mit seinem Trupp Nachbarschaftshilfe organisierte. In der DDR war das sowjetische Kinderbuch von Arkadi Gaidar aus dem Jahre 1940 Pflichtlektüre im Unterricht.


Lächeln setzt Glückshormone frei

Kleine Gesten im Alltag bis hin zum ehrenamtlichen Engagement - das Prinzip ist easy: Unsere soziale Güte stärkt zwischenmenschliche Beziehungen. Bewusste und gelebte Mitmenschlichkeit, für die Philosophen unter uns, fördert nämlich den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Indem wir hilfsbereit handeln, steigern wir unser Selbstwertgefühl und sogar das eigene Immunsystem. Ohne Quatsch: Studien zufolge setzen wir schon bei einem geschenkten Lächeln oder Kompliment selbst Glückshormone frei und bauen so Stresshormone ab. Wir stimulieren quasi das Belohnungszentrum im Gehirn.


Letzteres hab ich just in einem Blog oder Podcast erfahren; heutzutage werden wir ja geflutet von einer Armada an Lifestyle-Storytellern, die mehr oder minder schwere Geschütze für ein vermeintlich besseres Leben auffahren. Kostproben gefällig für die "Daily Dosis an Happiness“?


Meditiere täglich für mehr Achtsamkeit, führe ein Dankbarkeits-Tagebuch, verbiege deinen Körper in Yoga-Übungen, um Stress zu reduzieren, Beschwerden zu lindern oder die mentale Klarheit zu fördern. Lese eine halbe Stunde. Lerne Neues kennen, lerne dich kennen. Komme oft - und intensiver … mit Partner bzw. Partnerin und vor allem auch solo.


Da auch ich selbstverständlich ein besserer Mensch werden möchte, habe ich sämtliche Online-Influencer auf YouTube abonniert und praktiziere deren Tipps in Hülle und Fülle (Trigger-Warnung: Ironie). Mein heute erworbenes Wissen möchte ich hiermit teilen: Schon mal was von Quirkologie gehört?


Wissenschaftliche Marotten der Quirkologie

Der Brite Richard Wiseman hat 2008 unter diesem Titel ein Buch über unseren skurrilen Alltag veröffentlicht. Aus dem Englischen übersetzt heißt „quirk“ Marotte oder Macke; Quirkologie steht für die Erforschung unserer Schrullen und ist Teil der Verhaltenspsychologie. Wer beispielsweise viel und genüsslich lügt, sollte es künftig vielleicht bleiben lassen, da man ihm oder ihr mit quirkologischen Erkenntnissen auf die Schliche kommen kann.

Eine schwarze Katze kreuzt von links unseren Weg. Laut Aberglauben bringt das Unglück.
Kreuzt eine schwarze Katze von links unseren Weg, bringt das angeblich Unglück. Richard Wiseman räumt mit derlei Aberglaube in seinem Buch „Quirkologie“ auf. Foto: gosiak1980/pixabay.com

Wiseman untersucht in seinem Buch anhand etlicher, teils absurder Experimente, die Macht des Aberglaubens und der Astrologie, Fragen von Schicksal sowie allerlei Kurioses und Skurriles. Demnach ticken wir Menschen irrationaler als wir meinen: Laut einer US-Studie erhalten Schüler mit einem beliebten Vornamen bessere Noten als Schüler mit einem ungewöhnlichen Vornamen.


Letztere hätten im weiteren Leben öfter mit psychischen Problemen zu kämpfen als Menschen mit gängigen Namen. Immerhin: Dafür haben Exoten-Namensträger bessere Chancen, mal berühmt zu werden.- OK, das lässt mich hoffen.


Quirkologe Wiseman hat ferner herausgefunden, dass Witze uns zu schlechteren Menschen machen können, sofern sie ein Gefühl der Überlegenheit vermitteln. Da dies ein zu weites Feld für einen einzigen Blogeintrag ist, vertagt Sirkologe Salka das Thema Lachen auf die Fortsetzung in einer der nächsten Kolumnen.

 
 
 

1 Kommentar


André Schneider
André Schneider
03. März

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