Rausche, Bengel! Die legale Drogen-Geschichte von LSD & Heroin
- Sirko Salka
- 14. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Die legale Drogen-Geschichte zeigt: Crystal Meth, Heroin und LSD gab es früher auf Rezept. Erfahren Sie in dieser Kolumne alles über die historische Nutzung. Eine Kolumne von Sirko Salka
Als ich vor 25 Jahren die Familie meines besten Freundes in der Schweiz besuchen durfte, erlebte ich einen unvergesslichen „Ricola“-Moment („Wer hat das Kräuterbonbon erfunden?“ Eben.) Wir spazierten durch die Ortschaft Burg im Leimental bei Basel, als wir zu einem Wohnhaus kamen, an dessen Klingelschild der Name Albert Hofmann stand. Hofmann (1906-2008) war ein Schweizer Chemiker – und der Vater des LSD.

Vom Heilmittel zur Waffe: Die legale Drogen-Geschichte von LSD
Vor über 80 Jahren hatte er die psychoaktive Wirkung von Lysergsäure-Diäthylamid - (umgangssprachlich: Acid, von Säure) untersucht - und rasch einen Benefit des Rausches für psychiatrische Therapien erkannt. Überliefert ist eine Anekdote, wonach Hofmann an jenem 19. April 1943 unter Einfluss der Droge die Strecke vom Labor nach Hause auf dem Fahrrad zurückgelegt hatte. Dabei soll er eine Wahrnehmungsänderung seiner Umwelt ins geradezu Groteske erfahren haben.
In der Popkultur wird der Tag von Anhängern als „Bicycle Day“ gefeiert. Bunte Bilder, verschwommene Welten - in geringsten Mikrogramm-Dosen löst die Substanz Halluzinationen aus, indem sie sich an das Serotonin im Gehirn bindet, und die dortige Stimmungslage überstimuliert. Das kann bis zu Wahnvorstellungen mit gefährlichen gesundheitlichen Folgen führen. Das Schweizer Pharmaunternehmen Sandoz, für das Hofmann arbeitete, brachte 1949 das LSD-Präparat Delysid heraus. Die Arznei sollte bei schweren Tumorerkrankungen, zur Behandlung extremen Alkoholismus und zu weiteren Forschungszwecken verwendet werden. Nicht zuletzt gab es vom Militär Versuche, LSD als chemische Waffe zu erkunden. Mit nur zehn Kilogramm hätte man seinerzeit die komplette Bevölkerung der USA in einen Rauschzustand versetzen können (Quelle: Wikipedia.org).
Für die damaligen „Ostblock-Staaten“ wurde in Tschechien ein ähnliches Präparat produziert … Seit Anfang der 1970er-Jahre zählt LSD in Deutschland zu den illegalen Substanzen, in jüngster Zeit gibt es Studienansätze, die eine Wirksamkeit bei Angsterkrankungen oder Depressionen nahelegen.
Hustensaft von Bayer: Die Karriere des Heroins
Mit Heroin wiederum kennt sich Bayer bestens aus. Ende des 19. Jahrhunderts brachte die Pharma-Firma das zu den Opiaten (gewonnen aus Mohngewächsen) zählende Diacetylmorphin heraus. Galt „Heroin“ zunächst als unbedenkliches Husten- und Schmerzmittel, wurde das Suchtpotenzial zehn Jahre nach Markteinführung überdeutlich. In Deutschland wurde das Medikament 1917 verschreibungspflichtig - 1940 stellte Bayer die Produktion ein.
Die illegale Herstellung, Beschaffung und leidvolle Bedeutung Heroins als eine der dramatischsten, da destruktivsten Drogen des 20. Jahrhunderts zählt zu den weltweiten gesundheits- wie gesellschaftspolitischen Herausforderungen. Immerhin: In Staaten wie Tschechien oder Dänemark wurde vor einigen Jahren der Besitz von Kleinstmengen entkriminalisiert - in Großbritannien oder Kanada kann Diacetylmorphin kontrolliert als Schmerzmittel verschrieben werden, etwa in der Palliativmedizin. Seit 2009 ist eine Verabreichung unter strengen Auflagen auch in Deutschland möglich.
Pervitin: Die "Hausfrauenschokolade" des Dritten Reichs
Ebenfalls Ende des 19. Jahrhunderts stellten die Japaner erstmals Methamphetamin (besser bekannt als Crystal Meth) synthetisch her. Hierzulande waren es in den 1930er-Jahren die Vereinigten Chemischen Fabriken H. Temmler in Berlin (heute Aenova Group), welche die wundersam wachhaltende Substanz unter dem Namen Pervitin in den Handel brachten.
Einer der frühen Markenclous waren mit Pervitin versetzte Pralinen - sogenannte „Hausfrauenschokolade“. Während des Zweiten Weltkriegs kam das in Apotheken erhältliche Medikament massenhaft zum Einsatz, mit dem willkommenen Nebeneffekt, dass die Pillen auch das Selbstwertgefühl der Soldaten potenzierten. In seinem Buch „Der totale Rausch - Drogen im Dritten Reich“ geht Norman Ohler auf die damalige „Volksdroge“ Pervitin ein. Hitler soll sich die Substanz gegen Ende des Krieges regelmäßig injiziert haben.
Von den Beatles bis hin zu John F. Kennedy - auch nach dem Zweiten Weltkrieg fand das Arzneimittel noch viele Jahre durchaus prominente Anwendung zur Leistungssteigerung. Bis 1988 blieb Pervitin im Handel. Im 21. Jahrhundert erreichte Methamphetamin als illegales Rauschmittel weltweit eine unrühmliche Renaissance, die zu ernsthaften, selbstzerstörerischen Suchterkrankungen führen kann.
Bei meinem damaligen Besuch in der idyllischen Schweiz hatte ich eine verkürzte, verklärte, nahezu naive Sichtweise auf psychedelische Phänomene. Den LSD-Opa Hofmann fand ich voll lustig - und die Vorstellung, mir eines Tages selbst mal eines dieser bunten Blättchen auf der Zunge zergehen zu lassen, um mein Bewusstsein zu erweitern, zumindest nicht abwegig. Hippieheiho, Hippieheiho!



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