Die Magie der 24 – alles Zufall oder ein Zeichen der Synchronizität?
- Sirko Salka
- 23. März
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 25. März
24 Jahre lang verfolgte mich eine Zahl - fast war ich mir sicher, ein Medium zu sein. Bis ich von der Theorie der Synchronizität hörte und verstand: Das Unbewusste ist weniger mystisch, dafür umso lauter. Eine Kolumne über Zufälle - und was sie wirklich bedeuten - von Sirko Salka
Das Wasser plätschert noch genauso wie vor 24 Jahren, und die Vögel im Viktoriapark zwitschern, dass es eine Freude ist. Allein, ich vermag immer noch nicht zu unterscheiden zwischen Amsel, Drossel, Fink und Star. Weiß nur, dass die größten Solisten unter den Gefiederten im Frühling eben Männchen sind, die schon von der nächsten Vogelhochzeit trällern und die oft die farbenfroheren Piepmätze sind. Aber klar, bei vielen Arten tragen Weibchen Camouflage - unauffällige Federkleider - damit sie in der Brutzeit eben nicht so viel Stress mit gefrässigen Räubern oder Nebenbuhlern bekommen.

„Ob meine Fische noch leben?“, frage ich mich plötzlich, und werfe automatisch einen Blick in den Teich, hier am Fuße des Berliner Kreuzberges. Um die Jahrtausendwende hatte ich in diesem Gründerzeit-Viertel nahe des Mehringdamms eine kleine Wohnung: Hausnummer 24, mit herrlichen Blick auf den bewaldeten Hügel samt Wasserfall.Die Fische waren nur eine kurze Freude; seinerzeit fehlte mir in vielen Dingen Beständigkeit.
Also hatte ich die armen Aquariumsbewohner – Bärblinge, Guppys und Salmlerartige, was für schöne Namen Zierfische doch tragen, eines lauen Sommerabends kurzerhand in den Park umgesiedelt. Die Aktion hatte ich mit einer guten Freundin durchgeführt, einer Kommilitonin von der Uni. Alleine hätte ich mich das nicht getraut.
Zufälle sind ein Fall für die Synchronizität
Ich sitze also auf einer der Bänke, denke noch, Mensch, die müsstest du auch mal wieder anrufen, als mein Telefon schrillt und mich in eine sekundenlange Schockstarre versetzt. Denn ich lese ihren Namen auf dem Display. „Das gibt’s doch nicht!“, brülle ich beinahe in den Hörer, „Grad habe ich an Dich gedacht, und prompt rufst du an. Was 'n krasser Zufall?“ Ein Zufall? Echt jetzt?
Früher sind mir öfters solche, wie ich finde, mysteriösen Sachen passiert, für die ich keine vernünftige Erklärung hatte. Einmal dachte ich, beispielsweise, intensiv an meinen Lieblingssong, wählte im Fernsehen einen Musiksender aus, auf dem just der entsprechende Videoclip der Band gezeigt wurde. Volltreffer, Wahnsinn! Ein anderes Mal blickte ich während der Autofahrt auf ein Wahlplakat zur Bundestagswahl. Und Augenblicke quasselte ebenjenen Politiker im Radiointerview. Fand ich spooky.
Damals, im zarten Alter von 24 Jahren, konnte ich mit hoher Wahrscheinlichkeit die exakte Uhrzeit ansagen; ohne vorher gelunscht zu haben. Da mir immer wieder solch sonderliche Sachen passierten, hielt ich mich bereits für ein Medium, das übernatürliche Botschaften empfangen und auslösen konnte. Im Kino lief zu der Zeit Teil 1 des Blockbusters „Herr der Ringe“ an: Tja, vielleicht schlummerten auch in mir Zauberkräfte oder uraltes Elbenwissen. Die Jungs sahen ja schon sexy aus auf der Leinwand, jene engelshaarigen „Erstgeborenen“, die lange vor den Menschen das Schicksal von Mittelerde bestimmten.
Mit anderen Worten, eine zeitlang schlafwandelte ich geradezu im Esoterischen, ohne das je tiefer ergründet zu haben. Ich glaubte nicht an die Macht des Zufalls, sondern daran, dass im Leben eben mitunter überirdische Gewalten walten… Da kannte ich die Hypothesen des Schweizer Psychiaters Carl Jung zur Synchronizität noch nicht. Jung war von der Gleichzeitigkeit von Ereignissen überzeugt, für die es anscheinend keinen kausalen Zusammenhang gibt. Seiner Meinung nach ist das Leben oft auf unerklärliche Weise mit der inneren Welt eines Menschen synchronisiert.
Synchronizitäten träten, so Jung, meist in Phasen der Veränderung auf, wenn wir unbewusst vor bedeutenden Umwälzungen stehen, persönliche Entscheidungen von Tragweite zu treffen haben. Das können solch unerklärliche Zufälle sein, die viele Menschen schier aus den Socken hauen, und empirisch kaum nachzuweisen sind. Jung war weder Esoteriker noch dem Aberglauben verfallen, sondern er forschte nach Möglichkeiten, inwiefern das Leben von teils fantastischen Zusammenhängen durchzogen ist – und versprach sich Erkenntnisse für Bereiche der Psychologie.
Botschaften aus dem Unbewussten - Magie der 24
Mein Leben war zum Millennium eine Wundertüte voller Überraschungen und weitreichender Veränderungen. Im Inneren muss ich es damals gespürt haben, konnte mir die Wirkmächte jedoch nicht erklären. Dabei hagelte es in dieser Zeit geradezu an Zufällen, die bei mir um die Zahl 24 kreisten.
Meine erste große Liebe endete abrupt, an einem 24., ich erhielt eine ungünstige Diagnose vom Arzt, ebenfalls an einem 24., bei meiner Psychotherapeutin war ich Patient Nummer 24 – ich war 24, hatte einen Body-Maß-Index von 24, wohnte in Haus Nummer 24, erhielt meine erste Goldmünze – natürlich aus 24 Karat. Es war zum Mäuse melken, wuchs mir zwischenzeitlich über den Kopf. Ich sah ja nur nur diese eine Zahl.
Beispielsweise bekam meine Bank im Jahre 2000 den Zusatz 24. Wie überhaupt alles, was online eine gewisse Modernität und permanente Verfügbarkeit versprühen wollte, in der Webadresse urplötzlich mit ebenjener Zahl posierte. Dazu zählten Versicherungen, Hotels, Immobilienanbieter, Liebes- oder Lieferdienste – sie alle drückten ihre Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit aus, idealerweise an sieben Tagen in der Woche – 24/7 (die 7 ist im Übrigen meine Lieblingszahl).
Vor einigen Jahren, es ist noch nicht lange her, hatte ich eine persönliche Krise, in der es galt, die inneren Dämonen und Ängste zu überwinden. Dabei litt ich an gewaltigen Sprach- und Wortfindungsstörungen und unter den damit verbundenen Schamgefühlen.
Hätte ich damals mal Freud gelesen, vielleicht wären mir einige Sorgen erspart geblieben.Denn Carl Jungs Landsmann und „Amtskollege“, der große Schweizer Psychoanalytiker Sigmund Freud, vertrat unter anderem die Alltagstheorie der Botschaften aus dem Unbewussten. Super spannend.
Demnach können kleine Aussetzer oder Patzer, die man zwar registriert aber nicht für relevant oder ursächlich hält, feine Signale aus der Psyche sein, die auf versteckte Vorgänge hindeuten. Laut Freud funkt uns das Unbewusste permanent und ungebeten dazwischen. Denn tief im Inneren brodeln Ängste, vergessene Wünsche, ungeklärte Konflikte. Mit anderen Worten, wenn wir einen vermeintlich banalen, verbalen Ausrutscher haben, könnte das tatsächlich eine Message aus der tieferen Psyche sein, die sich auf diese Weise an die Oberfläche bahnt. Genialer Mann!
Als ich gerade auf dem Gipfel des Kreuzberges stehe, an der Spitze des Kriegsdenkmals, und in Erinnerungen schwelge, wird mir mein Alter bewusst: Ich bin jetzt 48 – also zwei Mal 24. Na, das kann ja noch heiter werden.



Ich erinnere mich sehr lebendig an die schönen Zeiten in der Kurfürstenstraße, als wir uns damals kennenlernten....