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Frühlingsgefühle für Feinschmecker

  • Sirko Salka
  • 2. März
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 29. März

Nicht nur Menschen haben Frühlingsgefühle: Wie sich Pflanzen und Tiere einen geilen Lenz machen; und warum wir alle schon mal „Hoden“ verspeist haben. Eine Kolumne von Sirko Salka


Wow, na endlich: Die Tage werden wieder länger, heller, wärmer, schöner. Ein sonnig-milder Märztag ist für mich eine willkommene Gelegenheit, meine „Winterhöhle“ für einen längeren Spaziergang zu verlassen. Nachdem ich in den zurückliegenden Monaten ja über Maßen viel Melatonin, sprich, Schlafhormone in meinem Körper ausgeschüttet habe, sind es nun vermehrt die Lichtbejahenden Serotonin-Hormone, die für Glücksgefühle sorgen sollen. Für mich die pure Wonne, also ab in die Sonne!


Warum Blüten mitunter hocherotisch sind

Längst recken und strecken die ersten Frühblüher ihre Köpfe durch den Boden, dem Himmel entgegen. Schneeglöckchen, Narzissen, Winterlinge – und wie die frühen Farbtupfer alle heißen – ich spüre deren Duftmoleküle in den Nasenlöchern, vielleicht auch kleinste Pollen. Denn das, was an prächtiger Blütenpracht da mein Herz aufblühen lässt, ist so mit das schönste und natürlichste auf der Welt: Sexualität und Fortpflanzung. Weshalb Blüten in der erotischen (Foto)-Kunst oft als Metapher für menschliche Genitalien ausgespielt werden. Da gibt es erstaunlich-erregende Parallelen, ohne Mist.



Trüffel-Pasta zählt zu den Delikatessen in der italienischen Küche
Trüffel-Pasta zählt zu den Delikatessen aus der italienischen Küche. Schon gewusst, dass Trüffel auch als die „Hoden der Erde“ bezeichnet werden? Foto: Polette2 @ pixabay.com

Wenn Erwachsene mir früher – etwas beschämt oder unsicher – von den Bienchen und den Blümchen erzählt hatten, und ich wissend, grinsend nickte, da ich längst aufgeklärt war, hatte ich doch keine Vorstellung davon, wie nah sie mit dem klemmigen Beispiel doch an der Wirklichkeit waren.


Immerhin sind die sichtbaren Blütenköpfe die Sexualorgane der Pflanzen (und die Rolle der Bienen beim Bestäuben ist ja reichlich bekannt). Neu war mir bis vor Kurzem, dass Blüten sowohl männliche als auch weibliche Teile enthalten: Während die Staubblätter also Pollen (Gameten) produzieren, die nichts anderes als pflanzliche Spermien sind, entsteht an den Fruchtknoten das „Ei“ der Blume oder des Gewächses.


Frühlingsgefühle beim Naschen von Erdbeeren

Pikant wird es bei Sammelnussfrüchten wie der Erdbeere, denn diese zuckrigroten Früchtchen, die wir im Sommer so lieben, sind streng botanisch betrachtet der Blütenboden und verdickte Fruchtknoten sowie die gelbpickeligen Samen an der Außenhaut der „Nuss“. Mit anderen Worten: Wir lassen uns die weiblichen Sexualorgane der Erdbeere schmatzend schmecken. Und das gilt im Allgemeinen für Obst.


Bei Pilzen läuft die Reproduktion ähnlich ab, da geraten wir an die "männlichen" Pendants: Ob Pfifferling, Steinpilz oder Trüffel – deren delikate Fruchtkörper wie Hut, Röhren oder Lamellen enthalten Fortbildungssporen. Die wiederum können keimen und das mystische Myzel bilden, jenes unterirdische System der Pilze, welches in enger Verbundenheit mit anderen Pflanzen steht. Schon gewusst? Trüffel werden gemeinhin auch „Hoden der Erde“ genannt. Wenn Feinschmecker im Restaurant edle Trüffel-Pasta bestellen, bringt ihnen der Italiener nichts anders als die Keimdrüsen des Pilzes, in Nudeln gebettet. Lecker!


Im Frühling bin ich gern in den Morgenstunden unterwegs; vor Sonnenaufgang laufe ich dann schon mal an unserem Tierpark vorbei. Zum einen genieße ich den jungfräulichen Tag, das Erwachen der Großstadt, wenn Autos und Busse noch weitgehend ruhen. Zum anderen liegen im Umfeld der Gehege wundersame Pheromone in der Luft.


Auch Tiere haben Frühlingsgefühle

Als Kind empfand ich das als stechend und unangenehm, bis ich einst erfahren habe, das dieser Misch-Geruch den stark steigenden Sexualhormonspiegel vieler Tierarten im Frühling darstellt. Mit anderen Worten: Die animalische Wollust. Pheromone sind chemische Substanzen, die auf praktische, eindeutig riechende Weise, die Bereitschaft zur Paarung signalisieren. Heutzutage fühle ich mich selber ein klein wenig erregt und neugierig, wenn mir frühmorgens in Zoonähe solche Düfte in die Nase steigen. Wobei, leider leider, ich nicht davon ausgehe, dass die Insassen dort auch wirklich zum Zuge kommen.


Natürlich produzieren auch Menschen Pheromone; die dann zum Beispiel über den Schweiß ausgetragen werden. Allerdings ist das bei uns weniger ausprägt bzw. läuft subtiler ab. Vielleicht mag es auch daran liegen, dass der Riechkolben weniger sensitiv ist. So ist die Fähigkeit eines Hundes, Gerüche zu erkennen, laut dem Magazin „Psychology Today“, 1000 Mal größer als die des Menschen. Ich möchte mir bei Leibe nicht ausmalen müssen, was unsere „Wauzis“ da alles erschnuppern.


Für manch Allergiker hingegen beginnt alle Frühjahre wieder eine Phase des gesundheitlichen Leidens, denn bereits ab Februar können Erle und Hasel ihre Pollen abfeuern, im März folgen Ulme und Weide, bevor es ab April pflanzentechnisch so richtig „pollt“ und rumtollt. Wer unter Heuschnupfen leidet, bekommt mitunter Niesanfälle, tränende Augen, Juckreiz oder ein Brennen in den Schleimhäuten. Gottseidank bin ich bisher davor verschont geblieben, denn das würde meine Lust aufs Draußensein während der schönen Jahreszeiten doch enorm einschränken.

 
 
 

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